Mittwoch, 4. März 2026

Der. 4. Versuch - Leseprobe

 

Auf dem Weg nach draußen kam er am Computer vorbei, auf dessen Bildschirm in rascher Abfolge geometrische Figuren in allen Farben oszillierten, sich in springlebendige, dreidimensionale Aquariumsfische verwandelten, die aus dem Bild sprangen und sich in Nichts auflösten. Daneben lag ein iPhone-Armreif, den Ivy wohl abgelegt hatte, um nahtlos braun zu werden. Mit einem Blick zum Balkon vergewisserte er sich, dass sie ihm nicht folgte. Aus der linken Hosentasche holte er seinen USC-Stick heraus und steckte ihn an den Computer an. Es handelte sich um einen jener smarten Sticks, die eine Ultra-Fast-Copy-Funktion besaßen, und nur für Personen mit einer Sondergenehmigung erhältlich waren. Es dauerte nur fünf Sekunden und der Doktor konnte den Stick wieder herausziehen. In diesem Augenblick läutete der iPhone-Armreif und er erschrak. Zum Ausgang war es zu weit, so eilte er in den Raum gleich neben dem Schreibtisch, dessen Tür nur angelehnt war. Gerade rechtzeitig konnte er dahinter verschwinden und sah sich im ehelichen Schlafzimmer stehen. Das Doppelbett zeigte sich ungemacht, die Laken zerwühlt und mit einigen Flecken verunreinigt. Draußen hörte er seine Gastgeberin das Gespräch annehmen.
  "Hallo, Maurice! Nein, ich bin ganz allein. Frank ist beim Training. Mhm! Hahaha. Du bist mir einer. Sicher können wir uns treffen."
Dem Doktor wurde mulmig zumute, denn wenn sie ausgehen würde, musste sie sich vorher ankleiden und dazu bestimmt das Schlafzimmer aufsuchen. Mit dem Anflug von Verzweiflung suchte er nach einem Versteck, doch unter dem Bett fand er zu wenig Raum für seinen dicklichen Körper und die Schränke schienen ihm zu schmal, um sich hineinzuzwängen. Vorhänge gab es an den Fenstern keine, hinter denen er sich verbergen konnte. Draußen hörte er Ivy schrill auflachen. 
  "Hihihaa! Maurice, du bist ein ganz Schlimmer! Ja, im Odeon bekommst du sicher einen Fensterplatz für uns. Wann soll ich dort sein? Das schaff ich leicht! Bin gleich bei dir, falls mir nichts dazwischen kommt!"
  Dem Tête-à-Tête schien sie schon entgegenzufiebern, Doktor Cullen begann zu schwitzen, er musste handeln, um der Peinlichkeit der Entdeckung zu entgehen. Daher holte er aus seiner rechten Hosentasche seinen Betäubungsspray heraus. Eine Prise davon in das ebenmäßige Gesicht der blonden Frau und sie würde bewusstlos zu Boden sinken und sich nachher nicht mehr erinnern können, was die paar Minuten davor passiert war. Schon hörte er sie mit gedämpften Schritten zur Tür tapsen, die sich leicht öffnete. Noch bevor sie eintrat, streckte er den Arm aus, betätigte den Sprayknopf und das Betäubungsmittel konnte mittels einer kleinen Sprühwolke seine Wirkung entfalten. Lautlos sank sie nieder, ihr schlanker Körper verursachte beim Auftreffen auf dem beigen Teppichboden kaum ein Geräusch. Hastig steckte er die kleine Spraydose wieder ein, beäugte sich Ivy Askin, verdrängte die Versuchung, sich an ihr zu vergehen und hob sie vorsichtig hoch. 
Merkwürdig, sinnierte er: Wie alle Frauen besteht sie nur aus Muskelmasse, Fettgewebe mit Haut überzogen und verströmt dennoch die Aura einer schlafenden Göttin.
Mit sicheren Schritten trug er seine höchstens 50 Kilogramm schwere Last zurück auf den Balkon und setzte sie ganz vorsichtig wieder hin. Vom Hochhaus gegenüber, das über keine Balkone verfügte, konnte ihn niemand gesehen haben. Die Fenster hatten sich alle verdunkelt, um die Bewohner vor zuviel Hitze zu bewahren. 
  Beim Drapieren ihrer Beine konnte er sich nicht zurückhalten und strich langsam an der Innenseite ihrer Schenkel entlang. Ihre Haut fühlte sich wie Seide an. Nun konnte er Frank verstehen - von so einer Frau lässt sich kaum ein Mann scheiden. Widerwillig riss er sich von ihrem verführerischen Anblick los und eilte zum Ausgang. Doch beim Computer blieb er nochmals stehen, holte aus der Innentasche seines Sakkos einen kleinen Störsender in Form eines harmlos aussehenden Schlüsselanhängers heraus, mit dem er den Armreif außer Betrieb setzte. Ebenfalls ein sehr nützliches Gadget, das nur gewissen Auserwählten zur Verfügung stand. Danach tupfte er sich mit einem Tissue aus einem goldfarbenen Spender hinter dem Computer die Stirnglatze ab und schritt entschlossen aus dem Apartment.

Auf Lovelybook bekam ich dafür eine 5*-Kritik auf Zauberspiegel einen Verriss - der Kritiker starb allerdings kurz darauf, was mir zeigte, dass es ihm beim Lesen schon nicht mehr so gut gehen konnte... Aus diesem Stoff schöpfte ich noch ein HÖRBUCH

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