Aus den Reisetagebüchern meiner verstorbenen Freundin Brigitte:
8.8. Erwachen um 9 Uhr auf dem Public Parkplatz von Winnipeg, einer gemütlichen, etwas verschlafenen Stadt mit ein paar historischen Bauten & Parks, auf die man recht stolz ist. Gehen zum Hudson Bay einkaufen, ich kaufe mir Jeans um 13 $ + eine Pelzjacke um 30 $. Im Coffey Shop setzt sich ein Deutscher zu uns, der seit 22 Jahren hier wohnt. Er plaudert naiv drauflos, habe vor 6 Jahren seinen Job in einer Bäckerei gekündigt, wo er 10 $/Stunde verdiente, hat seine 3 Häuser verkauft und bekommt nun 1.000 $/Monat Hypotheken, er vergleicht die Preise von hier mit Deutschland, außerdem sind die Leute hier alle freundlicher, drüben wäre man so rüde & böse, das entrüstet ihn. Er lädt uns ein zu einer Versteigerung, zu der er jede Woche gehe und Dinge billig einkauft und über die Zeitung wieder verkaufe.
Man versteigert die unmöglichsten Sachen: von nicht funktionierenden Radiouhren, Waschmaschinen aus dem Jahre Schnee um 3 $ über alte Betten, Sofas, Spiegel, Besen, Teppiche, Bücher & Platten bis zu kitschigen Nippesfiguren - alles Ramsch! Er kaufte ein Sofa um 77 $, eine Uhr um 3 $, ein Drahtgestell um 2 $, einen Polstersessel um 7 $ und ein Tischchen um 11 $. Versammelt ist die senile Brigade der Stadt, zahnlos, haarlos, hinkend & stammelnd und jeder wäre steinreich, erzählt uns Günther. Die eine habe 150 Appartements, der andere, ein 80jähriger Greis, habe 1 Million beim Spielen verloren und wir beobachten eine aparte Dame mit Strohhut, gefühlte 79, die unaufhörlich ihren linken Fuß näher an ein 25-Cent-Stück schiebt und ihn schließlich draufstellt, um es am Ende der Versteigerung endlich unauffällig aufzuheben. Sie war so beschäftigt damit, die 25 Cent nicht zu verlieren, aber auch nicht die Aufmerksamkeit der Nachbarn auf sich zu lenken, dass sie von der ganzen Versteigerung nichts mehr mitbekam. Wir hatten genug nach 2 Stunden und verabschiedeten uns. Fuhren essen und weiter zum Zoo, wo man auch einen englischen Garten hat, ein Tropenhaus usw. Am Abend fuhren wir zurück in die Stadt, Freitag ist etwas mehr los. Die Hauptstraßen sind beleuchtet, viel Verkehr, Coffey Shops, allgegenwärtige Mc Donalds, wenige Bars & einige Restaurants im French Quarter.
9.8. Schliefen auf dem Parkplatz von gestern und fuhren dann zum Old Market Square, wo ein greasy pig race stattfindet. Buden sind aufgestellt mit Würste verkaufenden Ungarn & Spielzeug verkaufenden Ukrainern. Dann brachte man Schweinchen, fettete sie ein und ließ sie auf den abgezäunten Rasenplatz frei. Der 1. Bursche, der ein Schwein über die Ziellinie trägt, bekommt eine Wochenendreise auf einer Yacht, 2. + 3. Preis sind Tickets für Abendessen & Lunch in einem feinen Hotel. Es war recht spaßig. Dann führten Ukrainer in ihrer Tracht Tänze auf. Man will, dass an einem Tag/Jahr jeder seine Tracht trägt, um das Vielvölkertum herauszustreichen. Wir machen Fotos und fahren 9 Meilen zu einem Rastplatz, wo wir übernachten.
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