Lieber Alex, jetzt ist's auch schon wieder 30 Jahre her, dass wir in jugendlicher Frische Deinen Geburtstag gefeiert haben. Der Sekt floss in Strömen, damals herrschte noch nicht so eine Bullenhitze wie heute und Deine Nachbarn hatten Verständnis, als wir in Abwesenheit Deiner Eltern im Garten bis in die Nacht herumgrölten. (Wer war noch aller dabei von unserer Studenten-Bagage? Ich vergaß die Namen.) Jedenfalls trug - nach ein paar Partyspielchen - jeder ein Gedicht vor, einer 'Ich hatt' einen Kameraden', ein anderer 'Der Zauberlehrling' und einer 'Der Erlkönig' (Wer reitet so spät durch Nacht & Wind?). Ich fand, der Schluss von dem letzten Gedicht sei zu traurig und erlaubte mir, ihn umzudichten. Anstatt also: Erreicht den Hof mit Müh und Not, in seinen Armen das Kind war tot! - Wirklich ganz ungeeignet für solch einen Freudentag - dichtete ich: Erreicht den Hof mit Not und Müh, unter seinem Arsch tot war das Vieh!
Ja, schon damals hatte ich ein Talent für echte Literatur...

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